Kriesenleben

Im Winter war es leicht zu glauben, dass an anderen Orten der Welt Menschen sterben. Oder Tiere. Oder Urwald abgeholzt wird. Oder Permafrost schmilzt. Oder das Meer so verschmutzt wird, dass, wenn es so weitergeht, in 90 Jahren mehr Plastik im Meer ist als irgendwas anderes. Aber jetzt ist es irgendwie schwer zu glauben… Ich sitze zuhause am Fenster, vor grünen Pflanzen, Sonne strömt herein, meine Finger sind noch bunt vom Ostereier bemalen und das Lachen meiner Familie schallt durchs Haus. Es ist so schwer zu glauben, dass gerade tausende Menschen sterben! An einem Virus, der für mich unerreichbar scheint. Jetzt kann ich irgendwie verstehen, wenn Menschen den Klimawandel nicht ernst nehmen… Im Moment kann ich auch nicht glauben, dass es so ernste Zeiten sind. Aber dann gehe ich in die Stadt und sehe all die geschlossenen Läden, all die Maßnahmen. Das erinnert mich an die Angst und die Sorgen. Aber gleichzeitig beruhigen mich die Maßnahmen auch. Es wird etwas getan! Das Problem beim Klimawandel ist, dass man keine Maßnahmen sieht. Weil es keine gibt. Der Klimawandel ist eine genauso vollwertige Kriese, wie Covid19, scheint aber unerreichbar.

Ich hoffe, dass die Regierung diese Art des Regierens aufrecht erhält, wenn Corona vorbei ist. Schnelle Maßnahmen, nicht so viel Rumgelaber. Das beste, was man aus einer Kriese machen kann ist lernen!

Ein Tag

Ich sitze. Starre. Denke. Jeden Tag.

DING DANG DONG

Atme vor Erleichterung aus. ENDLICH!

Ich stehe auf, gehe im die Bücherei und mache meine Hausaufgaben für die nächste Stunde, um nicht noch mehr Ärger zu bekommen. Oder nehme mir ein Buch und tue so als ob ich lesen würde. Mit dem Rücken an die warme Heizung gelehnt. RUHE.

DING DANG DONG

Na toll… Englisch! Langsam stehe ich auf, gehe im den Unterricht. Laaaangweilig! Ich bin mit der Aufgabe fertig und hole meine Spanischsachen raus. Mein Lehrer taucht vor mir auf. ,,Joy, please put this away! “ ,,Why?“ ,,Because I am getting angry now! You can’t do spanish in an english lesson. “ Schulterzuckend schlage ich mein Heft zu. Eine Diskussion bringt nichts, dass weiß ich aus Erfahrung. Nächste Aufgabe. Wieder bin ich schnell fertig. Auch wenn ich nur eine 3 in Englisch habe, bin ich nicht schlecht, das weiß ich. Ich schlage meine Spanischsachen wieder auf. Nach einer Weile taucht mein Lehrer wieder auf. ,,Joy! Put this away! I am really getting angry now! I am sorry, but I have my principles!“ Ich frage mich welche Prinzipien…? Was hat es für einen Sinn mir lernen zu verbieten, wenn ich mit den Aufgaben schon fertig bin und nichts zu tun habe? Ich rolle mit den Augen. Auch das kann ich gut. Ich habe genügend Gelegenheiten zum üben. Ich schlage mein Heft zu und warte. 3 Minuten vor Unterrichtsschluss melde ich mich. Mein Lehrer unterbricht sich und nimmt mich dran. ,,Yes, Joy?“ ,,May I go to the toilet? “, frage ich unschuldig. Der Lehrer guckt auf die Uhr. ,,Can you please wait for 3 minutes, I am nearly finished! “ Ich stehe auf. ,, I am sorry, but I have my principles!“, sage ich und gehe raus. Draußen kann ich mir ein lautes Lachen nicht verkneifen. Ich habe immer noch das verdutzte Gesicht von meinem Lehrer vor Augen! Ich gehe zum Klo und schaue in den Spiegel. Starre. Denke. Ein Gesicht was schön sein könnte, wenn es nicht bleich mit unnatürlich vielen Sommersprossen wäre. Eigentlich mag ich meine Sommersprossen, aber sie stehen für Sommer, Fröhlichkeit und Sonne. Und das beißt sich irgendwie mit der blassen Haut und den Augenringen. Groß. Dunkel. Insgesamt sehe ich sehr verwahrlost aus. Auch die Haare! Ein unordentlicher Dutt, der schon angefangen hat sich aufzulösen. Blonde Strähnen hängen mir vom Kopf. Aber was soll’s! Mir ist egal, was die Leute denken! Ich gehe zur nächsten Stunde. Deutsch. Es geht um Interpretation von Kurzgeschichten. Eigentlich mag ich dieses Thema nicht. Ich frage mich immer welchen Lerneffekt es hat, Kindern für ihre Meinung eine Note zu geben. Denn dann schreiben die Kinder nicht ihre eigene Meinung, sondern überlegen sich nur, was der Lehrer hören möchte. Aber jetzt melde ich mich doch, denn ein Junge aus meiner Klasse labert Unsinn. Nur um dem Lehrer zu gefallen. Meine Lehrerin guckt sich um. Nimmt alle dran, bis nur noch ich übrig bin. Sie weiß, was kommt. Wenn ich Glück habe, nimmt sie mich dran. Wenn ich Pech habe, ,,übersieht“ sie mich und fängt ein neues Thema an. Heute habe ich Glück. Meine Diskussion mit dem jungen ist kurz. Er weiß nicht, was er erwiedern kann und versucht sich rauszureden. ,,Ich hab das ja nicht SO gemeint! Ich meinte was ganz anderes!“ … Wie immer! Pech! Denk mal selber, dann würdest du nicht immer wie der letzte Vollidiot dastehen! Aber was mach ich ihm Vorwürfe? Nicht jeder hatte so eine freie Erziehung.

DING DANG DONG

Atme erleichtert aus. Jetzt kann ich nach Hause!! Ich fahre Fahhrad. So wie eigentlich jeden Tag. Mein Schulweg ist lang, fast 11 km. Wahrscheinlich würden meine Eltern mich sogar fahren, aber ich möchte die Umwelt nicht noch mehr belasten. Manchen tue ich leid, weil ich fast eine 3/4tel Stunde Fahrrad fahren muss. Aber mir macht es Spaß! Ruhe. Alleine. Vogelgezwitscher. Bewegen. Atmen. Frei. Ich denke. Oder besser gesagt, tagträume. Ich habe Geschichten im Kopf. Kann mich in Personen hineinversetzen. Ich habe gelernt meine Gedanken zu kontrollieren. Normalerweise. Jetzt habe ich Vorstellung von schreienden, weinenden Kindern im Kopf, brennen Wäldern, Menschen, denen nicht geholfen wird, und alles wegen Geld, Geiz, Egoismus. Ich genieße die Fahrt trotzdem. Ich könnte von etwas fröhlichem träumen, aber es macht einfach keinen Sinn. Ich habe auch nichts gegen mein trauriges Spiegelbild. Es wäre einfach nicht echt, wenn ich so aussehen würde, als wenn alles okay wäre. Ich komme an. Meine Mutter kocht gerade. Sie sieht mich reinkommen. Ich gehe in die Küche. Sie umarmt mich. Lange halten wir uns fest. Egal was man sich einredet, jeder Mensch braucht einen anderen Menschen, den er umarmen kann. Meine Mutter riecht gut. Nach Mutter eben. Sie lässt mich los um unseren Mittagessen umzurühren. Sobald sie wieder frei ist, schließe ich sie wieder in die Arme. Comma, ich bin echt kein typischer Teenager, oder? Ich mag es, meine Eltern zu umarmen!“, sage ich lachend. Auch wenn es jetzt so scheinen mag als wenn es mir zu Hause gut geht, stimmt das nicht ganz. Denn wir ziehen bald um. Ich will hier nicht weg. Ich sehe ein dass ist nötig ist, aber ich will hier nicht weg. Weg von dem riesigen Garten, den Kletterbäumen, der 15m hohen Schaukel, die mein Vater aufgehangen hat, weg von dem Fußballplatz, von dem riesigen Wald, in dem wir immer Tipis gebaut haben. Es ist der Ort, der mich in die glücklichsten Jahre meines Lebens erinnert. Als meine großen Geschwister noch zu Hause gelebt haben, als meine beste Freundin noch neben mir wohnt. Der Ort an dem ich glücklich war. Abends liege ich im Bett. Ich kann nicht schlafen wie jeden Abend. Ich habe heute keine Hausaufgaben gemacht. Aber was soll’s! Ich habe auch nicht für die Lateinarbeit gelernt. Egal! Ich sehe keinen Grund, warum ich das machen sollte. Aber ich weiß, dass ich am nächsten Tag in die Schule muss. Besser gesagt an diesem Tag. Nachdenklich betrachte ich die Narben an meinem Arm. Feine Striche. Ich will sie nicht mehr haben! Morgen geht es wieder los, denke ich. Ein Teufelskreis.

Jetzt geht es mir gut, aber drückt mir sie Daumen, dass es nicht genauso weiter geht, wenn die Schule wieder anfängt.

Bleibt gesund! Am besten zu Hause!! Denkt an all die Menschen, denen nicht geholfen wird… setzt euch für die ein. Schreibt euren Abgeordneten, sich für die Evakuierung der Flüchtlinge aus Moria einzusetzen! Jetzt ist die Zeit, wo Deutschland beweisen muss, dass es mehr kann, als Verträge nicht einzuhalten und rumzulabern, während es auf der Kohle hockt!

Grenze

Kein Mensch wird böse geboren. Man wird böse durch die Umgebung, durch Erlebnisse und Ereignisse. Wenn ein Kind gereizt reagiert und andere Kinder ärgert, dann nimm es in den Arm, schenke ihm Aufmerksamkeit, denn villeicht hat er zuhause keine liebenden Eltern. Aber wenn ein Nazi schlimme Dinge tut, möchte niemand ihn in den Arm nehmen, auch wenn das villeicht die einzige Möglichkeit ist, ihn zu ändern. Aber wo ist die Grenze zwischen einem streitsüchtigen Kindergartenkind und einem Nazi?

Ich stelle mir die Frage jeden Tag. Ich weiß, dass Liebe und Respekt die einzige Möglichkeit ist, jemanden positiv zu verändern, aber manche Menschen möchte ich nicht lieben und respektieren!

Ich habe auch einen Grundsatz, der mir sagt, ich solle Menschen helfen und immer das tun, was ich für richtig halte. Aber welchen Menschen muss ich nicht helfen, um ein reines Gewissen zu haben?

Sinn des Lebens

Im voraus: Ich habe eine Anregung für diesen Text von einem jungen Mädchen bekommen, die mit dem System, der Weltsituation und der Politik nicht zufrieden ist. Sie hat Depressionen und Schlafprobleme, weil sie das Gefühl hat, nicht genug zu tun. Sie geht zwar regelmäßig zu Fridays for Future, aber auch das ist ihr nicht genug. Deswegen hat sie mich gebeten, ein Teil von ihrem Text mit in meinen Blogg aufzunehmen… So, here we go…!

Glaubt ihr an den Sinn des Lebens? Ich tue es nicht, denn dass würde ja heißen, dass irgendein Gott, eine höhere Macht diesen bestimmt. Genau wie Schicksal: Irgendjemand müsste das Schicksal doch leiten… Eine Macht, die uns die Verantwortung selber zu denken und unsere eigenen Entscheidungen zu treffen, nimmt. Genau wie Religion. Wenn irgendwas schief läuft: Gottes Wege sind unergründlich! Wenn man irgendwas rechtfertigen will: Sagt aber meine Religion! Ich will hiermit keinem religiösen Menschen Vorwürfe machen, solange er nicht versucht, anderen seinen Glauben aufzudrängen…Und es ist eigentlich auch nicht die Religiosität, die mich aufregt! Es ist die Scheinmoral dieser Zeit! Wenn man auf der Straße eine Umfrage zum Sinn des Lebens macht, was für Antworten bekommt man dann? Glück, Liebe, Freiheit, Frieden, Zusammenhalt… Und wer hat dies festgelegt? Villeicht man selber??? Und trotzdem kauft man weiterhin Massentierhaltungsfleisch und Nicht-fairtraidschokolade. Fragt man auf der Straße, ob man ein Kind umbringen würde, wenn es den Weg zu einer Tafel Schokolade versperrt? Natürlich würde das niemand tun und trotzdem kaufen sie weiterhin Schokolade aus Kinderarbeit, die Kinder tötet und ihnen ihr Leben versaut! Aber eben indirekt…Ein Zeichen für die kurzsichtige Scheinmoral dieser Zeit! Wenn man die direkten Auswirkungen nicht sehen kann, ist man blind!

Ich rede viel mit meinem Großvater. Er hat Krebs. Kein schlimmer Krebs, soweit meine Eltern es mir erzählen wollen. Er kann in ein paar Monaten sterben, aber auch in 10 Jahren an Altersschwäche. Und wenn ich ihn reden höre, denke ich manchmal, wie naiv es von mir ist, Erwachsenen erzählen zu wollen, wie sie falsch denken…aber ich mache mir viele Gedanken und diskutiere mit Erwachsenen. Und häufig merke ich, das ein dreizehn jähriges Mädchen doch weit erwachsener sein kann, als ein Erwachsener.

Aber zurück zum Thema! Mein Großvater hat mir mal erzählt, dass er sich mit einem amerikanischen Soltatem unterhalten hat. Dieser hat Leipzig bombardiert und sein Leben lang geglaubt, dass er das richtige getan hat. Weil er nur auf einen Knopf drücken musste. Er sah nur eine Staubwolke. Aber er sah nicht das Leid, die Leichen, trauernde Menschen, zerstörte Hoffnungen…Wenn man ihn nach dem Sinn des Lebens gefragt hätte, was hätte er dann geantwortet? Glück, Liebe, Freiheit, Frieden, Zusammenhalt… Die Bomben waren Mittel des Zwecks…Aber ich finde der Fakt, dass ein Mörder genau das selbe antwortet, wie ein unschuldiger Mensch auf der Straße, sagt schon ziemlich viel über die Scheinmoral dieser Zeit aus. Natürlich soll man lieben, Freiheit und Frieden bewahren und zusammenhalten, aber das muss für ALLE gelten und nicht nur für die Menschen, die in einem Radius von 5m um einen herumstehen!! Denn dann ist man glücklich!! Leider haben wir nur Dumpfbacken an unseren Regierungsspitzen… Aber nochmal zum Sinn des Lebens: glaubt nicht an Schicksal, sondern findet euren eigenen Weg! Eure eigenen Grundsätze! Und BITTE, BITTE seid ehrlich zu euch selber! Versucht weiter zu denken!! Wenn das mehr Leute machen, hilft es mir villeicht, dass ich mich nicht mehr so verzweifelt fühle…